Lieber Herr Möller,
zunächst einmal ein Kompliment für Ihre überaus informative
Website, etwas vergleichbares habe ich - zumindest im deutschsprachigen Web
- bislang nicht gefunden. Nun zu meinen Anliegen. Ich werde hierbei zunächst auf
meine Ausrüstung zu sprechen kommen, um sodann mein eigentliches Problem und
meine Anliegen zu schildern.
Nachdem ich im Dezember meine Jägerprüfung bestanden habe, hatte ich das Glück,
mich direkt mit einer vernünftigen Büchse ausstatten zu können. Prämisse hierbei
war es, einmal was Vernünftiges kaufen und lange Zeit Ruhe zu haben.
Der Büchsenkauf erfolgte bevor ich auf Ihre Seite aufmerksam geworden bin. Fest
stand für mich nur, es sollte ein Repetierer eines deutschen Herstellers, aber
keine Blaser R93 werden.
Warum weiß ich selber nicht genau. Ich bin dann zu einem Büchsenmachermeister
gefahren, der mir von einem Freund empfohlen wurde. Dieser meinte zwar, die R 93
wäre grundsätzlich auch kein schlechtes Gewehr, riet aber eher zu Sauer und
Mauser. Eigentlich wollte ich eine Mauser M03
Extreme o. ä.. Der Büchsenmacher meinte aber, das dies für mich als Jungjäger
eine viel zu spezielle Ausführung wäre und die durch die Kunststoffschäftung
erreichte Gewichtsreduktion für mich (28 Jahre, 1,83 m, ~ 80 kg) nicht
erforderlich sei.
LM: Der muß sie ja nicht schleppen!
Nach einem längeren Beratungsgespräch standen folgende Waffen zur Wahl:
Sauer 202 Highland, Sauer 202 Elegance und
Mauser M03 Arabesque. Ich tendierte zunächst zur leichteren Ausführung der 202,
nachdem die Mauser bereits wg. des zumindest subjektiv höchsten Gewichts
ausgeschieden war. Nach einigen Tagen Bedenkzeit bin ich wieder zu dem
Büchsenmacher gefahren und dieser riet –wie von Beginn an- eindeutig zu der 202
Elegance. Er meinte, die Alu-Stahlkonstruktionen seien zwar derzeit sehr modern
(LM: Z. B. Voere LBW), könnten
aber seiner Meinung nach inder Güte nicht an die Stahlbauweisen heranreichen.
Nachdem ich einen durchweg guten Eindruck von dem Mann hatte, habe ich mich auf
seinen Rat verlassen und die 202 Elegance gekauft.
Bei der Auswahl des Zielfernrohres stand für mich nur fest, es sollte ein
Produkt der Fa. Schmidt und Bender werden. Geworden ist es schließlich das
Zenith 2,5-10 x 56 mit Absehen FD 7.
Das ich mit der Marke grundsätzlich nicht falsch liege, sehe ich – wie auch bei
der Fa. Sauer- durch Sie bestätigt. Vielleicht könnten Sie mir noch kurz etwas
zu der Wahl der Ausführung und des Absehens sagen. Einsatzgebiete werden
zunächst wohl hauptsächlich der Ansitz auf Rehwild, Sauen, Füchse und ggf.
Rotwild sein.
Hinsichtlich der Montage meinte der Büchsenmacher, man dürfe hier keinesfalls
sparen dürfte und riet mir zur EAW Schwenkmontage. So ist es auch gekommen.
Bei der Kaliberwahl liege ich wohl leider neben der hier propagierten Meinung.
Es ist .30-06 geworden, wobei ich hier dem BüMa
keinen Vorwurf machen kann, denn dies war eine Vorgabe von mir, nachdem viele
meiner Freunde mir von sehr guten Erfahrungen mit dieser Patrone berichtet
hatten. Das Geschoß wiederum beruht auf der Beratung des BüMa, der mir zum
UNI-Classic von RWS 11,7g riet. Hiervon habe
ich nach erfolgreichem, gemeinsamen Einschießen gleich 80 Schuß gekauft, so daß ich wohl erst einmal nicht
wechseln werde. Trotzdem könnten Sie mich ja vielleicht auf Besonderheiten beim
Einsatz dieses Geschosses hinweisen.
Mich würde freuen, wenn Sie mir Ihren Eindruck von der Materialauswahl und
Beratung durch diesen Büchsenmachermeister schildern.
LM: An Waffe, ZF und Montage gibt es nicht auszusetzen. Patrone und Geschoß sind daneben!
Dies gilt vor allem vor dem Hintergrund, da ich
eigentlich beabsichtige langfristig mit dem Mann zusammenzuarbeiten, z.B. im
Hinblick auf die für den nächsten Herbst geplante Anschaffung einer Flinte.
Bezahlt habe ich inkl. Montage, gemeinsamen Einschießen, Gewehrriemen, 80 Schuß
Munition und der Zusage einer Komplettbetreuung im Bedarfsfall (O-Ton: zu jeder
Tages- und Nachtzeit) ? €, wobei ich Sie bitte dies nicht zu veröffentlichen.
Da ich aber aus Ihren Texten entnehme, daß letztlich eher der sichere Schuß als
das Geschoß entscheit und ich daher – vor allem aus Kostengesichtspunkten -
erstmal bei .30-06 bleiben werde, komme ich jetzt zu meinem eigentlichen
Problem.
LM: Bei den Kosten der Ausrüstung spielt der einzelne Schuß doch gar keine Rolle, vor allem im Vergleich zum Wert der Beute! Mit solchen Gedankengängen versperren Sie sich den Blick für's wesentliche. Allerdings sollte man die Technik so wählen, daß Sie einem Möglichkeiten öffnet, statt die einzuschränken. Für den Teil des Schusses neben dem Treffer, in dem es auf die Ausrüstung ankommt, bieten die 7x64- oder 8x68S-Patrone, unser Deutsche Magnum, und das Lutz Möller KJG deutlich mehr Möglichkeiten.
Vorweg sei gesagt, nachdem nur 4 oder 5 Mal
geübt wurde erbrachte ich in der Schießprüfung sowohl mit der Flinte, als auch
mit der Büchse ordentliche Leistungen. Auch beim Üben habe ich nach anfänglichen
Eingewöhnungsschwierigkeiten -erster Schuß überhaupt im Rahmen der
Jägerausbildung- stetig um die 40 Ringe mit der .222 Rem. auf 100 m erreicht.
Allerdings habe ich immer mit einer Augenklappe geschossen, weil ich das linke
Auge nicht schließen kann, ohne auch die vernünftige Sicht mit dem rechten Auge
zu verlieren.
LM: Dann lassen Sie es doch auf.
Meine Frage an Sie lautet nun. Wie würden Sie das weitere Schießtraining an meiner Stelle angehen? Mein mittelfristiges Ziel ist es, im nächsten Dezember mit gutem Gefühl eine bereits ausgesprochene Einladung zu einer Drückjagd (möglicherweise mit Hilfe eines Docter-Sight) annehmen zu können.
LM: Gehen Sie zu dem Flintenschützen Gregor Schmidt-Colberg. Der bringt Ihnen an einem Wochenende bei flüchtig zu schießen und zu treffen.
Langfristig möchte ich ohne Augenklappe sowohl mit ZF als auch mit offener Visierung (auf kürzere Schußweite) immer sicher treffen. Wobei mir klar ist, dies kann auch mal schief gehen. Allerdings beabsichtige ich hier alle Unzulänglichkeiten meinerseits auszuschalten.
LM Löblich!
Genau möchte ich wissen, ob es hierfür bewährte Übungsmethoden gibt. Einer
meiner Ausbilder riet mir, zunächst immer wieder mit einem Besenstiel in
Anschlag zu gehen. Irgendwann würde dann das rechte Auge die Führung übernehmen,
so hätte er sich das schießen mit zwei offenen Augen angewöhnt. Was ist hiervon
zu halten? Weiterhin möchte ich gerne wissen, ob es im Raum Düsseldorf (ggf.
auch Frankfurt/Main) Schießstände gibt, die Sie empfehlen können.
Hierbei wäre auch interessant, ob es in den genannten Räumen empfehlenswerte Schießlehrer gibt oder ob es eher Sinn macht, zunächst ohne Waffe mit der Feldenkrais-Methode bzw. Aikido zu trainieren.
LM: Sicher vernünftig. Bewegt auf bewegte Ziel zu schießen erfordert gute Körperempfinden und Beherrschung. Insofern hängt da viele miteinander zusammen. Feldenkrais hat je gerade ein Schule zum bewußten Erlernen der Feinmotorik begründet. Sein Ratschläge und Methoden lassen sich sehr gut auf das Büchsenschießen anwenden, vorausgesetzt man ist in der Lage die Methoden zu verstehen und auf die Anforderungen zu übertragen. Die geistige Leistung müßten Sie selbst erbringen, um damit voran zu kommen, den fertig angeboten kenne ich das nicht (Für das Laufen dagegen schon).
Welche Art von Schießtraining empfehlen Sie allgemein? Ich bin für jede Art von Tipp dankbar.
LM: Gehen Sie zu dem
Flintenschützen Gregor
Schmidt-Colberg.
Letztlich möchte ich Sie bitten, meinen Namen in keiner Weise zu erwähnen,
soweit Sie beabsichtigen meine Ausführungen oder Teile davon auf Ihrer HP zu
veröffentlichen. Vielen Dank im Voraus.
Beste Grüße, E. S., Donnerstag, 10. Januar 2008 14:10
Herr S.,
ohne die Möglichkeit zu veröffentlichen fehlt mir jeglicher Antrieb mich mit Zuschriften zu beschäftigen. Ich habe genug zu tun. Meine Zeit ist knapp. Vielleicht später werde ich mich mal zu Schießausbildung äußern. Das liegt mir an sich durchaus am Herzen.
Waidmannsheil, Lutz Möller
Sehr geehrter Herr Möller!
Leider müssen wir wohl alle immer wieder feststellen, daß zwischen der Erzielung
von engen Schußgruppen unter Verwendung von
Benchrestauflagen am Schießstand
und dem Schießen unter jagdlichen Bedingungen ein
haushoher Unterschied besteht. So ging es auch mir vor einigen Tagen, als ich
beim Pirschen über den Stock auf einen sehr abgekommenen Rehbock (Entfernung ~
80 m) schoß.
LM: Da denke ich gleich an meinen Inntaler Jährling im Mai 2010, allerdings stehend freihändig.
Da mein geliebter Stutzen derzeit beim Büchsenmacher ist, um ein besseres, aber immer noch passendes Zielfernrohr (nicht zu groß!) zu bekommen, führte ich meine Voere im Kaliber 6,5x57 mit deutschem Stecher (Sie wissen, ich liebe ihn nicht) und 6-fachem Glas, natürlich unter Verwendung des KJG (da habe ich Restbestände eines Freundes, der die wegen Kaliberwechsels nicht mehr brauchte, verladen).
Den Schuß habe ich leider verwackelt, zudem
bewegte sich der Bock gerade bei der Schußabgabe etwas nach vorne. Für den
miserablen Schuß bin aber sicher vorwiegend ich selbst verantwortlich, daran
gibt es nichts zu deuteln. Das Ergebnis war ein relativ tiefer
Weichschuß, der den breitstehenden Bock
kurz vor den Keulen durchschlug. Ein Schuß also, für den man nach Ihren
Wildscheiben - ganz zurecht - Abzüge
bekommen müßte. Der Bock fiel um und flüchtete nicht. Daß ich so schlecht
getroffen hatte und der Bock noch am Leben war, konnte ich wegen des hohen
Grases vorerst nicht sehen. Als ich auf etwa zwei Meter herangekommen war,
machte er noch den zaghaften Versuch aufzustehen und ins Maisfeld zu flüchten.
Das konnte ich aber durch einen beherzten Satz verhindern und erlöste ihn mit
einem schnellen Herzstich von seinem Leiden.
Nun, daß das Lutz Möller KJG mehr zu leisten vermag,
als die meisten Jäger glauben, wissen Sie so gut, wie ich. (Das ist genauso, wie
mit meinem alten Lada, der noch lange fahren würde, wo ich mich schon längst
nicht mehr traue). Es war in diesem Fall aber eher nicht das
Lutz Möller KJG KJG bzw. seine Wirkung, das den Bock
an der Flucht hinderte. Der Jahrling war so schwach und abgekommen, daß er wohl
lieber den Tod erwartete, als sein Heil in der Flucht zu suchen. Er hatte eine
alte Verletzung am Blatt, wo man durch eine offene Stelle in der Decke den
Knochen sehen konnte (die Ursache ist mir völlig unklar) und Parasiten.
Aufgebrochen wog er mit Haupt gerade etwas mehr als 9 kg. Ein Todgeweihter
sicherlich, dessen Schicksal ich nachgeholfen habe.
Warum ich Ihnen dies alles erzähle, werden Sie sich fragen. Nun, es ist nicht
nur, um das Erlebte besser zu verdauen, sondern, weil das Ergebnis der Obduktion
(des Zerwirkens natürlich) so bemerkenswert war. Ein
Splitter, etwa 1x2
mm hatte nämlich den gegenüberliegenden Schlögel durchdrungen und den
Oberschenkelknochen durchschlagen, der spitz aus der Decke ragte. Der Splitter
hatte das flüssigkeitsgefüllte Gescheide, dann einige Zentimeter Fleisch
durchdrungen, ehe er auf den Knochen traf und diesen durchschlug! Eine
bemerkenswerte Leistung, wie ich meine, man kann sich gut vorstellen, was das
Lutz Möller KJG mit seinen groben Splittern leistet,
wenn es dort ankommt, wo es hingehört!
LM: Siehe dazu auch
Splitterwinkel!
Mit freundlichen und weidmännischen Grüßen verbleibe ich
Ihr, Ludwig Vogl, Mittwoch, 25. August 2010 16:47
PS: Alles Gute für Ihre geschäftlichen und sonstigen Aktivitäten. Sie haben wohl
eine schwere Zeit jetzt, nach dem crash. Wahrscheinlich haben Sie zu sehr an die
Sache geglaubt, um die heraufdämmernden Probleme zu sehen. Ein Phänomen, das man
bei jeder Art von Partnerschaft beobachten kann, auch bei so mancher Ehe.
Andererseits geht halt ohne Optimismus und Idealismus auch nichts. Man muß sich
immer wieder auf etwas einlassen, von dem man noch nicht weiß, wie es wird!
Sehr geehrter Herr Möller,
zu den Themen „Blei ins Hirn“, „Kunstschützen“ und „243 Win nicht für den
Schießstand“ möchte ich einen gemeinsame Bemerkung abgeben.
Ich möchte auf keines dieser Themen oder deren Ersteller direkt eingehen. Ich
sehe nur, solche Erörterungen und Meinungsverschiedenheiten, drehen sich um
persönliche Schießfertigkeit. Der eine gibt zu, daß er wenig schießt, der andere
hat im Leben schon 5.000 Schüsse abgegeben, wieder ein anderer trifft Wild in
Entfernungen, die schon mit dem Auto zurückzulegen mühselig sind. Ganz egal, wer
man ist und welche Geschichten man erzählt oder sich anhören muss, ich schlage
jedem folgendes vor:
Wenn man auf die Jagd geht, hat man Verantwortung. Also bitte schießt gut. Das
heißt: Geht auf den Schießplatz und trainiert. Nein, nicht üben, sondern richtig
trainieren. Das Gewehr auf die Auflage legen, drei Geschosse auf 100 Meter durch
ein Loch jagen, ist kein trainieren, das ist üben. Sich zu überlegen aus welcher
Position könnte ich schießen (die auch auf der Jagd vorkommt), mit welchem
Hilfsmittel (das auch auf der Jagd zur Verfügung steht) könnte ich schießen und
mit welchem zu erwartenden Ergebnis habe ich zu rechnen (kann das überhaupt ein
präziser Schuß werden), kann ich schnell und ohne nachzudenken, während ich das
Schußfeld beobachte, eine zweite Patrone in die Kammer repetieren, Bilder von
Wild zu betrachten und für sich überlegen: Wo würde ich hier meine richtige
Zielwahl treffen und so weiter, seien
sie kreativ. Das wäre dann trainieren.
Auf die Gefahr hin das ich es mir mit Ihnen, Herr Möller, verscherze: Ein
Kleinkalibergewehr ist kein adäquater Trainingsersatz für das bevorzugte
Jagdgewehr. Selbst dann nicht, wenn es annähernd baugleich ist. Wohl aber schult
es das Verständnis für das Schießen überhaupt. Wenn
ich ein Gewehr in .243 Win bevorzuge, sollte ich regelmäßig damit trainieren. Es
sind ja nicht unbedingt hohe Schußzahlen für ein gutes Training erforderlich.
Wenn ich 800 Patronen in .243 Win, in Laufe der Zeit, beim Training verschieße,
kann ich mit diesem Gewehr immerhin noch, wegen der zu erwartenden
Lauflebensdauer, 400 Rehe erjagen bis der Lauf ausgeschossen ist. Das ist gar
nicht so wenig.
Klar kostet trainieren Geld. Die Verantwortung dem Wild gegenüber kostet Geld.
Das wäre dann bitte beim Studium der Aufpreisliste des neuen Wagens zu bedenken,
denn bei solchen Wünschen ist der Mensch selten kleinlich.
Mit allerbesten Grüßen, aus Lassee bei Wien, Ihr Johannes Nowak, Montag, 6.
Juni 2011 17:30
Schießen | Schußangst | Mucken
Gönne Dir Munition der Lutz Möller GmbH vom Erfinder selbst.
Du wirst keine bessere finden.